Wie aus Yule Weihnachten wurde Es ist nicht leicht, in diesem Land dem Einfluss des Weihnachtsfestes zu entkommen. Man wird schnell erschöpft und zynisch darüber wie wenig noch von den magischen Momenten, die wir als Kinder unterm Weihnachtsbaum erlebt haben geblieben, und wie sehr alles dem Kommerz verfallen ist. Umso verwirrender ist es in dieser Zeit, den eigentlichen Sinn des Festes zu verinnerlichen, wo doch alle nur von Geschenken, Plätzchen und Weihnachtsdekorationen reden.
An Weihnachten feiern wir die Rückkehr von Licht und Leben. Die Wintersonnenwende, das Julfest oder auch Yuletide, Rauhnacht, Winter Solstice, Alban Arthan, bezeichnet die längste Nacht des Jahres und die Geburt des Sonnengottes, der Sonne, von da an die Tage wieder länger werden. Schon die meisten vorchristlichen Kulturen feierten diese Geburt des Kindes der göttlichen Mutter.
Die antiken Feierlichkeiten wurden mit Einzug des Christentums beibehalten und zum heutigen „Weihnachten“, der Geburt Jesus Christus umfunktioniert. Dabei wurde der Festtermin willkürlich genau auf die heidnischen Mittwinterfeste gelegt. Bekanntermaßen ist Jesus an einem Tag im Frühling geboren. Jener wirkliche Geburtstag wird heute noch in der griechisch-orthodoxen Kirche feierlicher begangen als Weihnachten.
Bis ins vierte Jahundert hatten die Christen am 25.Dezember nicht die Geburt des Erlösers gefeiert, sondern den heilgen Thomas geehrt. Der "blutige Thomas" der an diesem Tag gefeiert wurde, war eine echte Schreckensgestalt der besondes die Kinder bedrohte. In der Thomasnacht ging man in alle Häuser zum "Räuchern", mit der Glut in einer Pfanne in die man Kräuter geworfen hatte, um böse Dämonen zu vertreiben. Weil dies alles für die Kirche noch immer zu heidnisch war wurde schließlich zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende die Geburt Christi im Stall von Bethlehem gefeiert.
Ein wenig von dem vorweihnachtlichen Dämonensagen ist aber immer noch erhalten geblieben, in Form des Nikolaus -wenn auch nicht mehr am Thomastag sondern am Nikolaustag in Form des Knecht Ruprechts, der den Nikolaus bei seinen Besuchen bei den Kindern begleitet.
Der altgermanische Festname Jul (engl. yule, isl. jól) ist ein Mehrzahlwort, denn er bezeichnet sowohl das eigentliche Mittwinterfest als auch die Tage, die mit ihm verbunden sind, d.h. die Zeit bis zum Jahresbeginn. Auch der Name Weihnachten ist heidnisch. Jul ist die weihevolle Nacht, in der Baldur wiedergeboren wird. Die Sonne hat den südlichen Wendekreis erreicht und kehrt in den Norden zurück. Der Zweig, der Baldur den Tod brachte, die Mistel, wird zum Heilssymbol. Licht und Wärme, die nun kommen, werden durch ein Feuer und Kerzenlicht gefeiert.
Die Weihnachtsbäume entwickelten sich zu römischer Zeit aus den pinea silva, Pinienhainen, die bei den Tempeln der Göttin lagen. In der Nacht vor einem heiligen Tag schnitten römische Priester, die "dendrophori = Baumträger" genannt wurden, eine der heiligen Pinien, schmückten sie und brachten sie in den Tempel, um daran das Bild des Attis aufzuhängen. Die Figuren und Fetische, die in späteren Jahrhunderten an diese Bäume gehängt wurden, stellten den ganzen Pantheon (Gesamtheit der Gottheiten) am Weltenbaum dar. Der in Skandinavien übliche Julbock (z.B. aus Stroh) ist ein Symbol der kommenden Fruchtbarkeit und des Schutzes durch Thor, dessen heiliges Tier er ist. Weil es das Familienfest ist, bei dem auch die Ahnen dabei sind, derer man dabei gedenkt und die in der Überlieferung als Wilde Jagd mit Odin durch die Rauhnächte reiten, gehört Jul zu den wichtigsten heidnischen Festen. Als Wende des Jahres ist es sogar das wichtigste Fest, an dem alles endet und neu beginnt. Daher werden bei der Julfeier alle Feuer und Lichter gelöscht und neu entzündet. Haus und Hof werden mit Räucherwerk gereinigt.
Sämtliche Bräuche entstammen aus der Verehrung der Göttin als Mutter, die schon immer der Schwerpunkt war. Mit der Wintersonnenwende beginnen die Rauhnächte. 13 heilige Nächte, die " Weihnächte". Die Nacht vom 24. auf den 25.12. ist Nacht der Besinnung auf unsere Ahninnen und den schützenden Geistwesen.
Am 6. Januar gab es den uralten Brauch, dass Frauen mit Weihrauch durch die Zimmer gingen und das Haus segneten. Mit weißer Kreide schrieben sie über den Türrahmen: 20 K + M + B 01
Es handelt sich um die Jahreszahl und Anfangsbuchstaben dreier heiliger Menschen. Dem katholischen Brauch nach weisen die drei Buchstaben auf 3 Männer hin: Kaspar, Melchior und Balthasar. Ursprünglich stammt dieser Brauch jedoch aus der Pestzeit. Drei der Heilerinnen waren: Katharina, Margarete und Barbara. Verfolgt man die Entstehung dieser Namen kommt man auf die drei Namen Anbeth, Wilbeth und Borbeth (Erde, Sonne und Mond). Als Schutzzeichen für das kommende Jahr wird also für das Haus um den Schutz von Erde, Sonne und Mond gebeten.
Die drei Frauen waren in drei Farben gekleidet, weiß, rot und schwarz. Die Farben symbolisieren die dreifaltige Göttin: die jungfräuliche Weiße + die reife menstruierende Rote + die schwarze Alte
Mari ist ein Grundname der Großen Göttin. Ihr lateinischer Name war Maria, "die Meere", aber sie war auch Himmel und Erde, da sie in ihrer frühesten Form als Dreiheit erschien. Maria, die Himmelskönigin verkörpert so viele Götinnen , dass es schwer ist, die besonderen Eigenschaften noch zu beschreiben. Sie wird von allen Frauen verehrt, deren Göttinnenkulte verboten oder christianisiert wurden. Sie beinhaltet die germanischen Geburts-, Todes-, und Vegetationsgöttinen, sogar die afrikanische Voodogöttin Ezili Freda wird auf Haiti durch das Anbringen von Marienbildchen verehrt. Dargestellt wird "Maria" meistens in den drei Farben der Göttin in Verbindung mit dem blauen Mantel - dem Symbol für die Himmelsgöttin.
Der Verehrung Marias als Gottesmutter setzten die christlichen Kirchenväter erheblichen Widerstand entgegen, denn sie waren sich darüber im Klaren, dass Maria aus einer Mischung verschiedener althergebrachter Göttinnen bestand, deren Niederkunft das Weihnachtsfest ja eigentlich gilt. Die christlichen Patriarchen versuchten, Maria zu vermenschlichen und herabzusetzen, um zu beweisen, dass sie eine Anbetung nicht wert sei. Anastasius sagte: "Lasst niemanden Maria die Mutter Gottes nennen, denn Maria war nur eine Frau, und es ist unmöglich, dass Gott von einer Frau geboren wurde." (Übrigens: Jesus hatte etliche Geschwister und somit konnte Maria auch keine Jungfrau gewesen sein.) Die AnhängerInnen einer Sekte, die sich Marianiten nannten und äußerten, dass Maria die wahre Eigenschaft der Göttlichkeit besäße, wurden von der Kirche bis ins 5. Jahrhundert hinein als Ketzer gejagt und ermordet. Das christliche Patriarchat musste sich seine ganze Geschichte hindurch mit dem Marienkult herumplagen. Das Bedürfnis der Leute, die Mutterfigur zu verehren, trat einfach immer wieder zu Tage.
Wer nun an Jule oder am Heiligen Abend im Kreise seiner Familie oder mit Freunden die Kerzen der Weihnachtstanne oder ein Feuerchen entzündet, dann in stille Verträumtheit verfällt und fasziniert in das Licht der Flammen schaut, dann eine Andacht von seltsamer Undeutbarkeit in sich spürt, empfindet wahrscheinlich das gleiche Gefühl von Scheu und Ehrfurcht nach , mit dem vor Jahrtausenden einer seiner Ahnen zum Grabhügel seines toten Vaters ging, eine Opfergabe niederlegte. Und vor diesem Gefühl sollten wir Ehrfurcht haben. |